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Das Foto von vor zwanzig Jahren
Folge auf Französisch. Den vollständigen Text lesen Sie unten auf Deutsch.

Der Text der Folge
Willkommen bei Herba Barona, Ihrem Geschäft für Nahrungsergänzungsmittel in Paris. Jede Folge erzählt eine Geschichte, die man kaum kennt, und Sie nehmen eine Sache mit nach Hause. Heute geht unsere Reihe über die Mitochondrien mit dem Thema weiter, das niemand gern ansieht: der Zeit, die vergeht.
Das Experiment mit dem Spiegel
Machen Sie das Experiment. Holen Sie ein Foto von sich hervor, zwanzig Jahre alt. Schauen Sie es an. Und dann schauen Sie in den Spiegel.
Was genau hat sich verändert? Die Haut, ein wenig. Die Züge, ein wenig. Von einem Jahr aufs andere nichts Spektakuläres — und doch, alles zusammengenommen, ist etwas geschehen. Dieses Etwas trägt einen Namen, den Sie gut kennen, aber nicht an dieser Stelle erwarten: der Rost.
Der Rost
Ja, der Rost. Dieselbe Chemie, die eine Karosserie zerfrisst, zerfrisst, sehr langsam, eine Zelle. Der Schuldige ist derselbe: der Sauerstoff. Wir brauchen ihn zum Leben, aber er ist ein grober Partner — er reißt allem, was ihm begegnet, Elektronen ab. Wenn er außer Kontrolle gerät, entstehen die sogenannten freien Radikale: instabile Moleküle, die alles auf ihrem Weg beschädigen, auch unsere kostbaren genetischen Rezepte. Forscher haben das im Übrigen ausprobiert: Mäuse, die in sauerstoffangereicherter Luft gehalten werden, altern deutlich schneller. Zu viel Feuer im Kamin, und das Haus brennt ab.
Und wo spielt sich das Wesentliche dieser Feuerchemie ab? In den Mitochondrien, den Kraftwerken unserer Zellen. Dort wird der Sauerstoff genutzt, gezähmt, in Energie verwandelt. Ein junges, fittes Mitochondrium ist ein gut beherrschtes Feuer: viel Energie, sehr wenige Funken. Ein müdes Mitochondrium ist das Gegenteil: weniger Energie… und mehr Funken. Mehr freie Radikale. Mehr Rost.
Alle Wege führen zu den Mitochondrien
Und genau hier hat die Alternsforschung eine faszinierende Entdeckung gemacht. Ein wissenschaftlicher Artikel hat sie in einem berühmt gewordenen Titel zusammengefasst: „Altern: alle Wege führen zu den Mitochondrien.“ Welche Theorie man auch verfolgt — den Verschleiß der Gene, die Entzündung, die Ansammlung von Abfällen —, wenn man den Faden zurückverfolgt, landet man immer wieder bei ihnen.

Die Mitophagie
Aber der Körper ist nicht wehrlos geblieben. Er hat ein System von verrückter Eleganz erfunden: die Mitophagie. Wörtlich „die Mitochondrien essen“. In regelmäßigen Abständen inspiziert die Zelle ihren Kraftwerkspark, erkennt die müdesten — die, die mehr Funken als Energie sprühen —, baut sie ab, recycelt die Teile und baut neue. Eine permanente technische Prüfung, mit angeschlossenem Schrottplatz und angeschlossener Fabrik.
Was die Aussortierung wachhält
Gut zu altern hieße im Grunde vor allem das: diese Aussortierung aktiv halten. Und was sie wachhält, hat nichts Geheimnisvolles — es ist geradezu entwaffnend banal. Regelmäßige körperliche Bewegung, die die Erneuerung anregt. Der Schlaf, ausgerichtet an Tag und Nacht, wie vor den Bildschirmen. Ein Teller mit unverarbeiteten Lebensmitteln, mit echten Farben darauf. Und so wenig wie möglich von dem, was verstopft: Tabak, Übermaß, Schadstoffe, wo man sie vermeiden kann.
Hippokrates hat vor zweitausendvierhundert Jahren all das bereits empfohlen, ohne je ein Mitochondrium gesehen zu haben.
Das Foto von vor zwanzig Jahren kommt nicht zurück. Aber das in zwanzig Jahren ist noch nicht aufgenommen.
Das war eine Folge des Podcasts Herba Barona, aufgenommen in Paris. Bis bald.